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Spanien in der Wendelinskapelle

Die seit 2002 existierende Formation DESAFINADO steht für Urlaubsstimmung vom Feinsten. Und so konnten auch die in den Stunden vorher und nachher krachenden Gewitter der Atmosphäre in der Wendelinskapelle vergangenen Sonntag nichts anhaben: Bereits ab dem zweiten Stück wurde mitgeklatscht, später von dem zahlreichen Publikum auch gesungen zu den verschiedenartigen Liedern oder - um in der passenden Sprache zu bleiben – Canciones. DESAFINADO, das ist einmal Torsten Hofmann, Fachbereichsleiter für Elementare Musik an der Musikschule Butzbach, die das Konzert veranstaltete. Er spielte verschiedene Percussionsinstrumente, hier vor allem die Cajon. Waren es fetzige Canciones oder eindrückliche, nachdenkliche Lieder, Torsten Hofmann begleitete immer auf den Punkt genau und sorgte für die sagenhafte rhythmische Stimmung in der Wendelinskapelle. Dass er auch sehr gut Klavier spielen und auf diesem Instrument improvisieren kann, bewies er bei der Begleitung von Julia Hofmann. Zwei Stücke spielten und sangen die beiden in dieser Besetzung, darunter „Que nadie sepa mi sufrir“, besser bekannt als „And I love her“ von den Beatles. Hier wurde dem Publikum, welches nur den spanischen Titel auf dem Programm sah, bei Erstnennung des englischen Titels eine CD versprochen und natürlich konnte eine Zuhörerin nach Abschluss des Liedes diesen nennen. 

Eine tragende musikalische Säule von DESAFINADO ist auch Claus Krogmann. Als Solist an der akustischen Gitarre spielte er herausragend, was man besonders bei den vier über das Programm verteilten Flamencos von Paco de Lucia hören konnte. Zudem informierte er in den Moderationen zwischen den Liedern über die Cajon, dem sogenannten Schlagzeug in der Kiste, sowie über die Wandlung des Flamenco über die Jahrhunderte, an der in den letzten Jahren besonders der 2014 verstorbene di Lucia Anteil hatte. Claus Krogmann prägte den Abend weiterhin sehr durch seine eigenen Kompositionen, kamen doch vier der zwanzig Werke aus seiner Feder. „La Vuelta“, eben gleich dieses zweite zum Klatschen animierende Stück von ihm beschreibt die Rückkehr an einen Ort, an dem man sich gerne aufhält. Oder „Calor“, welches musikalisch gekonnt die träge Hitze ausdrückt sowie „El Tambor“, eben der Trommler mit einem Percussionssolo von Torsten Hofmann. 

Und nun noch die oben erst kurz erwähnte Sängerin. Im eigenen Pressetext von DESAFINADO beschrieben als „Frontfrau Julia Hofmann mit tragender und klarer Stimme“. Und das war sie auch, Frontfrau mit jeder Faser ihrer Gestalt. In ihren Moderationsteilen fand sie direkten Zugang zu den Zuhörern, die sie aber noch wesentlich ausgeprägter mit ihrem intensiven Gesang erreichte. Ihr Timbre war extrem wandlungsfähig: Zart bei den Liebescanciones – kam doch corazón, das spanische Wort für Herz in auffallend vielen Liedern vor -, energisch bei den temperamentvollen, lockend bei den verführerischen, tragend bei den schmerzlichen Stücken und voller Lebenslust wie die Musik bei den bekannten Hits wie „Bamboleo“ und „Baila me“ von den Gipsy Kings oder „Gracias a la vida“ von Violeta Parra. Jeder Zuhörer, der bereits mal in einem südlichen Land war, konnte sich seinen eigenen Erinnerungen nicht entziehen. Ein voller Erfolg für DESAFINADO, bewies dies doch, dass die drei Künstler die Musik mit ihren Möglichkeiten der verschiedenen Emotionen voll und ganz beherrschen.